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Kündigung erhalten – was nun?

Eine Kündigung seitens des Arbeitgebers ist meist mit Entsetzen, Enttäuschung, Wut und Trauer beim Arbeitnehmer verbunden. Trotzdem ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren, zeitnah zu handeln und organisiert vorzugehen. Was nach einer Kündigung zu tun ist – mehr dazu hier.

Was tun nach einer Kündigung im Arbeitsrecht?

Es gibt rechtliche Möglichkeiten, um gegen eine Kündigung des Arbeitgebers vorzugehen. Darüber hinaus haben Arbeitnehmer auch bestimmte Pflichten, wenn sie eine Kündigung erhalten haben. Die nachfolgenden 6 Tipps erläutern, was zu tun und zu beachten ist.

1. Sofortige Meldung bei der Arbeitsagentur

Unmittelbar nach Erhalt der Kündigung ist es wichtig, sich bei der zuständigen Arbeitsagentur arbeitssuchend zu melden. Tatsächlich muss das innerhalb von drei Werktagen nach Zugang der Kündigung geschehen. Wer diese Frist verpasst, muss damit rechnen, dass das Arbeitslosengeld für einen Zeitraum von bis zu zwölf Wochen gesperrt wird. Dabei reicht es aus, sich telefonisch unter einer Service-Nummer oder schriftlich arbeitslos zu melden.

2. Eine Kündigung auf formale Fehler prüfen

Es gibt bestimmte Formfehler, die eine Kündigung unwirksam machen können. Grundsätzlich bedarf eine Kündigung der Schriftform. Sie muss also in Papierform zugestellt oder persönlich überreicht werden. Eine E-Mail, eine mündliche Vereinbarung oder eine Kündigung per SMS reichen indes nicht aus.

Wichtiger als das Ausstellungsdatum einer Kündigung ist der Zeitpunkt des Zugangs, weil ab diesem Datum die Frist für eine arbeitsrechtliche Klage zu laufen beginnt. Bedeutsam für die formale Wirksamkeit einer Kündigung ist die Unterschrift. Denn ein Kündigungsschreiben darf nur von einem Personalverantwortlichen oder vom Unternehmensinhaber unterschrieben werden.

Eine andere Person darf nur dann eine Kündigung unterzeichnen, wenn dem Kündigungsschreiben eine entsprechende Vollmacht im Original beigefügt ist. Es ist also durchaus möglich, dass beim Ausstellen einer Kündigung formale Fehler unterlaufen, wodurch die Kündigung unwirksam werden kann.

3. Kündigung in besonderen Situationen

Besondere Situationen sind zum Beispiel das Vorliegen einer Schwerbehinderung, eine Schwangerschaft oder wenn sich der Arbeitnehmer in Elternzeit befindet. In diesen Fällen ist die Kündigung unwirksam, sofern der Arbeitgeber über die Schwerbehinderung oder eine Schwangerschaft unterrichtet ist. Insoweit hat der Arbeitnehmer die Verpflichtung, den Arbeitgeber über eine Schwerbehinderung innerhalb von drei Wochen und über eine Schwangerschaft innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der Kündigung zu informieren, sofern das bislang versäumt wurde. Schwangere, Schwerbehinderte sowie Väter und Mütter in Elternzeit genießen besonderen Kündigungsschutz.

Dieser gilt sogar für Personen, die Anspruch auf Elterngeld haben und keine Elternzeit beanspruchen. Sie alle unterliegen dem besonderen Schutz des Kündigungsschutzgesetzes (KSchG). Zu beachten ist jedoch, dass das KSchG bei Kleinbetrieben nicht greift.

4. Keine weiteren Dokumente unterschreiben

Wird die Kündigung persönlich überreicht, wird allenfalls der Zugang durch eine Unterschrift des Arbeitnehmers bestätigt, mehr jedoch nicht. Eine Kündigung ist ein Überraschungsmoment und eine momentane Überforderung des Arbeitnehmers. Mancher Arbeitgeber nutzt diesen Moment, um den Arbeitnehmer zur Unterschrift unter weitere Dokumente zu veranlassen.

Auf keinen Fall sollten vom Arbeitnehmer Dokumente auf die Schnelle unterzeichnet werden, ohne dass der Inhalt vorab sorgfältig geprüft wird. Es kann sich um einen sogenannten Aufhebungsvertrag handeln, mit dem der Arbeitgeber eine arbeitsrechtliche Klage des Arbeitnehmers abwenden möchte.

5. Den Betriebsrat kontaktieren

Nicht selten versäumen es Arbeitgeber, vor einer Kündigung den Betriebsrat anzuhören. Voraussetzung ist natürlich, dass es in dem jeweiligen Unternehmen einen Betriebsrat gibt. Fehlt die Anhörung des Betriebsrates, ist die Kündigung unwirksam.

Hat der Betriebsrat der Kündigung des Arbeitnehmers widersprochen, muss das Widerspruchsschreiben dem Kündigungsschreiben beigefügt werden. Das wird oftmals vergessen, ändert jedoch nichts an der Wirksamkeit der Kündigung. Es ist auch deshalb sinnvoll, den Betriebsrat zu kontaktieren, weil er die Gründe für die Kündigung kennt und diesbezüglich Auskunft erteilen darf. 

Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, im Kündigungsschreiben den Kündigungsgrund zu nennen, der keine Wirksamkeitsvoraussetzung für eine Kündigung im Arbeitsrecht ist. Die Kenntnis des Arbeitnehmers über den Kündigungsgrund erleichtert jedoch die Einschätzung über die Erfolgsaussichten einer Klage vor dem Arbeitsgericht.

6. Sich gegen eine Kündigung wehren – mit einer Kündigungsschutzklage

Innerhalb einer Frist von drei Wochen nach Zugang der Kündigung kann Kündigungsschutzklage erhoben werden. Ziel dieser arbeitsrechtlichen Klage ist die Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers beziehungsweise das Aushandeln einer Abfindung auszuhandeln. Denn aufgrund der Kündigung ist das Vertrauensverhältnis zwischen dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer nachhaltig gestört, sodass die meisten Arbeitnehmer kein Interesse an einer Weiterbeschäftigung haben.

Mit einer Kündigungsschutzklage kann auch das Ausstellen eines Arbeitszeugnisses erreicht werden, sofern der Arbeitgeber das bislang verweigert oder versäumt hat. Insoweit können die durch die Kündigung bedingten wirtschaftlichen Nachteile des Arbeitnehmers durch eine Klage vor dem Arbeitsgericht zumindest teilweise aufgefangen werden. Um den größtmöglichen Erfolg zu erzielen, ist die Einschaltung eines auf Arbeitsrecht spezialisierten Rechtsanwalts empfehlenswert.

Eine Klage vor dem Arbeitsgericht lohnt sich fast immer, da die meisten Kündigungsschutzverfahren mit einem Abfindungsvergleich enden. Die Zahlung einer Abfindung lehnen Arbeitgeber regelmäßig nur dann ab, wenn sie der festen Überzeugung sind, dass sie das Verfahren vor dem Arbeitsgericht nicht verlieren.

 

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